Schloß Schöneck im Hunsrück
Da wir uns entschieden haben, auch Schloss Schöneck für
den Tag des offenen Denkmals zu öffnen und in Führungen
etwas von der älteren und neueren Geschichte zu erzählen,
mußte aus dem verfügbaren Material das Mitteilenswerte
zusammengetragen werden. Da der Autor kein Historiker ist und
als beratender Ingenieur auch nicht viel Zeit für Quellenstudium
hat, hat er sich an verfügbare Sekundärliteratur gehalten
und aus diesen das mehr oder weniger sichere Wissen zusammengetragen.
Es können deswegen auch einige Details historisch nicht ganz
korrekt sein und einige Fragen, die sich bei der Zusammenstellung
ergaben, blieben unbeantwortet. Der Autor hofft, nicht nur seine,
sondern auch Fragen der Teilnehmer an den Führungen durch
zukünftige Beschäftigung mit der Historie zu klären.
Konrad von Boppard hat wohl als Reichsministerialer - was auch
immer ein Reichsministerialer ist - des Bopparder Reiches (?)
im Auftrag des Kaisers (?) die Burg um 1200 auf dem Felsen bauen
lassen. Ob die Anlage durch frühere Bauten oder Nutzungen
schon vorgegeben war, die Quellen erwähnen Hinweise auf solche
Nutzungen, oder ob er einen eigenen Plan oder gar einen Festungsbaumeister
hatte, ist den Quellen nicht zu entnehmen. Wahrscheinlich hat
er den s-förmigen Zugang anlegen lassen, gegen die Schanze
den ca. 10 m tiefen Einschnitt in den Felsen herstellen lassen
und auf der Talseite, der tiefsten Stelle der Allee eine Zugbrücke
zum ersten Tor gebaut. Nach diesem ersten Tor auf dem Parkplatz
und der weiteren horizontalen Fläche unterhalb der Westmauer
können Pferdeställe angelegt gewesen sein. Danach kommt
das zweite innere Tor und auf der Ostseite das dritte Tor. Der
Zugang zur Burg war also über eine Strecke von über
100 m immer von oben zu kontrollieren. Auf der Südseite wurde
ebenfalls ein Graben in den Felsen eingeschnitten, wahrscheinlich
nicht so tief wie auf der Nordseite, nur zwei Meter Felseinschnitt
sind noch zu sehen. Der Graben war aber mindestens genauso so
breit und wurde dann zur Burg hin durch eine hohe Mauer abgeschlossen.
Der jetzige Hang zur ersten südlichen Mauer hin ist wohl
als Schutt der eingestürzten südlichen Befestigungen
entstanden. Anzunehmen ist, daß das durch die grade Front
zur Westseite und die zweigeteilte Front zur Ostseite mit der
Südmauer gebildete Dreieck äußere Mauern hatte,
die mehr als einen Meter stark waren. An diese Mauern nach innen
wird sich eine Wohnbebauung angelehnt haben. Im Zentrum der Anlage
war auf einem viereckigen Fundament wohl der übliche mächtige
Bergfried. Die Außenmauern wurden wahrscheinlich als Zinnen
ausgebildet, so daß wohl im wesentlichen ein Bild wie bei
der ca. 100 Jahre vorher gebauten Ehrenburg anzunehmen ist, mit
den aus der Topographie bedingten Unterschieden. Die südliche
Mauerfront wird wohl durch die drei Türme aufgelöst
gewesen sein. Die Nachkommen dieses Konrad von Boppard nannten
sich dann Ritter von Schöneck und ein Philipp von Schöneck
wurde 1224 erstmals urkundlich erwähnt. Diese Schönecker
konnten im 13. Jhdt. Ihren Einflußbereich erheblich ausweiten,
es heißt bis nach Mayen in die Eifel. Andererseits führte
die Vermehrung der Schönecker auch zu Problemen beim Zusammenleben
auf der Burg, so daß vertragliche Regelungen mit Absprachen
über die Lage von Fenstern und Aborten erforderlich wurden
bis hin zum Burgfrieden. Die Zunahme der Schönecker führte
aber auch zu der Notwendigkeit, den Einflußbereich noch
mehr zu vergrößern. Da die Aktivtitäten (können
auch als Raubrittereien bezeichnet werden) der Schönecker
auf kurtrierischem Gebiet aber von Balduin behindert wurden, mußten
sie sich mit Eltz, Ehrenburg und Waldeck in einem Schutz- und
Trutz-Bündnis zusammenschließen. Dieser Bund wurde
von Balduin durch Verstärkung seiner militärischen Kompetenz
mit Rauschenburg und Trutzeltz beantwortet. So konnte er die Ritter
besiegen und ihnen 1336 den Eltzer Frieden diktieren. Interessant
ist, daß dieser Friedensschluß nur von einem Teil
der Schönecker unterzeichnet wurde, was den Schluß
nahelegt, daß nur diese auch als Raubritter tätig waren.
Die anderen hatten nach den Quellen sogar ein gutes Verhältnis
zu Trier und so kann es sein, daß durch deren Vermittlung
die besiegten Schönecker trotzdem auf Schöneck blieben,
jetzt aber als Beamte o.ä. (Hausmayer, Vogt, Burggrafen oder
so) des Trierer Erzbischofs. In der Folgezeit wurde die Burg durch
von verschiedenen Schöneckern und Nichtschöneckern bewohnt,
immer wieder auch aufgrund der vielfältigen verwandtschaftlichen
Beziehungen von Eltzern. Nachdem die Schönecker aber 1508
im Mannesstamm ausgestorben waren, fiel die Burg vollständig
an Trier. Sie wurde zwischen 1500 und 1800 verschiedentlich vermietet
(verpfändet), mal für 4000 Pfund, mal für 6000
Reichstaler , aber scheint nach und nach doch verbrannt und verfallen
zu sein. Bezüglich des 30jährigen Krieges heißt
es einerseits, die Schweden wären unverrichterdinge wieder
heimgezogen, andererseits, daß die Burg komplett niedergebrannt
wurde. So ganz hinüber kann die Burg nach dem 30jährigen
Krieg aber nicht gewesen sein, denn nach Kohlschmidt wurde sie
1646 von Freiherrn von Soetern gekauft und seinem Familienfideikommiß
einverleibt. In dieser Zeit müssen wohl auch barocke Ausbauten
vorgenommen worden sein, denn seitdem wird die Burg als Schloß
bezeichnet. Allgemein wird angenommen, daß die Portalkrone
mit dem Schönecker Wappen aus dieser Zeit stammt. Um 1700
hat aber Trier das Schloß wieder zurückerworben und
es im 18. Jhdt an die Bauern der Umgebung verpachtet, wobei diese
wohl weniger dort gewohnt haben, als vielmehr den Grund genutzt
haben und eventuell Ställe in den noch vorhandenen Mauern
eingebaut haben. Die napoleonischen Franzosen haben dann das Bistum
Trier enteignet und unter anderm Schloß Schöneck (vieux
chateau ruine) 1805 versteigert. Für 705 Franken hat es dann
der Hochgerichtsschöffe Burret gekauft. Ob dieser von Berufs
wegen soviel Geld bekam, oder geerbt hatte oder vielleicht weil
er das Vermögen des Schinderhannes oder anderer konfisziert
hat, steht in den Quellen nicht. Auf jeden Fall hat er Schöneck
nicht nur gekauft, sondern auch wiederaufgebaut. Aus dieser Zeit
sollen die Försterei, die westseitige Bebauung des oberen
Hofes sowie die Kapelle stammen. Diese könnte aber auch aus
der von Soeternschen Zeit stammen. Eventuell kann auch die vollständige
Westbebauung bis zur Försterei und ein Querbau auf dem jetzigen
Trockenplatz dazu gehört haben. Die Kapelle wurde nach katholischem
Ritus geweiht. Warum ist nicht berichtet aber jedenfalls hat Burret
das aufgebaute und bewohnbare Schloß an den Forstmeister
Andreae um 1815 verkauft. Ob dieser das Schloß weiter ausgebaut
hat oder nur in Schuß gehalten hat, ist nicht bekannt. Allerdings
muß das ganze Anwesen zu dieser Zeit zu großbürgerlichen
Leben getaugt haben, wie in der Familiengeschichte der Kaufmanns
berichtet wird. Spätestens der Reuter, ein Schwiegersohn
der Andreae, der das Anwesen Anfang der 40iger Jahre des vorigen
Jahrhunderts übernommen hatte, hat das Haupthaus dazugefügt.
Er wollte eine Molkenkuranstalt, Sanatorium, einrichten und an
Holländern und Engländern verdienen. Es heißt,
ein angestellter Appenzeller Senner hat die Ziegenmolke unter
Jodeln morgens auf den oberen Burggarten gebracht. Aber dann ist
das Querhaus und der mittlere Bereich der Westseite vollständig
niedergebrannt und damit war die geschäftliche Grundlage
zerstört und das Gewerbe war wohl auch nicht so gut, daß
es noch einmal aufgenommen worden wäre. Es werden auch die
trockenen Hunsrücker Sommer erwähnt, die verhinderten,
daß ein Sanatorium sicher mit dem erforderlichen Komfort
betrieben werden kann. Er hat die Reste an einen Fabrikanten Zinsen
und der wieder an eine Familie von Rosenkrantz verkauft, die die
Oberburg als Jagdhaus nutzten. Die Försterei und der Garten
gehörten dem Fiskus (preußischer Staat ?), in der der
Förster seine Dienstwohnung hatte. Von Fabrikanten Zinsen
hat es wohl dann 1910 unser Urgroßvater Wilhelm Steinhausen
gekauft aus dem Erlös eines Grundstückes, welches die
Stadt Frankfurt für den Palmengarten benötigte. Ob er
durch Malerei auch soviel Vermögen gehabt hätte, wissen
wir nicht, aber jedenfalls hatte er noch genügend, um das
Schloss selbst wohnlich auszustaffieren und in den Sommermonaten
hier zu leben und Hunsrücklandschaften zu malen. Es heißt,
daß die Kapelle sein Atelier gewesen ist. Er überführte
das Anwesen 1922 in eine Familienstiftung, die bis heute Eigentümer
ist. Die Familienstiftung erwarb 1929 die Försterei und den
Garten vom Fiskus dazu. In den dreißiger Jahren wurde das
Haus durch die Töchter Röse und Idel als Pension genutzt.
1937 wurde der Bergfried aufgestockt. Von 1944 bis 1950 diente
das Schloß den Familienmitgliedern aus Frankfurt, Berlin
oder dem Osten als Fluchtburg. Aufgrund der guten Englischkenntnisse
und der kosmopolitischen Einstellung der Paquets konnten die anrückenden
Amerikaner davon überzeugt werden, daß es sich weder
um eine SS-Burg handelt, noch daß es sinnvoll sei, hier
Quartier zu nehmen, denn die hygienischen Verhältnisse besaßen
bei weitem nicht amerikanischen Standard. Von 1952 bis 1965 wurde
das Anwesen von der Familie August Steinhausen von der Familienstiftung
gepachtet und eine Pension geführt. Die immer wieder auftretende
Hunsrücker Trockenheit und die wachsenden Ansprüche
der Urlauber zeigten aber die Grenzen der Wirtschaftlichkeit eines
solchen Unternehmens. Von 1968 bis 1980 wurde das Anwesen wiederum
von einem Mitglied der Familie, Wilhelmine Woeller gepachtet zur
Durchführung der sogenannten Schönecker Konferenzen.
Für die Teilnehmer, die mehr an ganzheitlichen Lebenserfahrungen
und der Schönheit der Landschaft interessiert waren, waren
die fehlenden Bequemlichkeiten nicht so wichtig. Seit 1980 wird
das Haupthaus durch die Mitglieder der Familie turnusmäßig
selbst genutzt. Die Försterei war von 1980 an Dr.Peter Steinhausen
vermietet, der dort mit Freunden aus Berlin und Kiel eine Bilderbuch-Landkommune
betrieb, mit Hühnern, Gänsen, Enten, auch mal Schweinen
und später Rindern. Nachdem Habichte und Marder den Grundbestand
an Federvieh dezimiert hatten, blieb zum Schluß nur noch
eine reduzierte Besetzung mit dem Hausverwalter Manfred Wehr und
seiner Zucht schottischer Hochlandrinder übrig. Der Mitteltrakt
wird von Mitgliedern der Familie Steinhausen bewohnt.
Literatur:
Paul Kohlschmidt: In der Beilage der Rheinzeitung für Schule
und Elternhaus Heimat zwischen Hunsrück und Eifel, Nr.6 ,
Juni 1979
Alfons Paquet: Schloß Schöneck - aus "Die Burg
eines Malers", Frankfurt 1932
Werner Stoffel : Aus Schönecks dunkler Zeit, Rund um Boppard
Nr.22, 30.Mai 1987
Gustav Schellack, Willi Wagner :
Burgen und Schlösser im Hunsrück-, Nahe- und Moselland,
Aloys Henn Verlag Kastellaun;
Herschwiesen Festschrift zur 750 Jahr-Feier - Kirchweih